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The Notwist / Fehler Kuti / Kama Aina & Die Hochzeitskapelle / 18:30 Uhr / 01.08.2020
The Notwist / Fehler Kuti / Kama Aina & Die Hochzeitskapelle
18:30 Uhr / 01.08.2020 / Konzert

  

Beschreibung

Dieses Line-up verspricht einen unvergesslichen Abend im ersten Jahr Open-Air-Fläche zwischen franz.K und Paketpost!
Markus und Micha Acher sind für ihre Experimentierfreude bekannt, das zeigt nicht nur die Geschichte ihrer "Hauptband" The Notwist selbst, sondern auch ihre vielfältigen Seitenprojekte. Zwei davon sind an diesem Abend ebenfalls zu hören: Fehler Kuti und Kama Aina & Die Hochzeitskapelle. Fehler Kuti ist aktuell vielleicht der heisseste Scheiß, den das Einwanderungsland Deutschland mit all seinen kleinen und großen Lebenslügen und Verwerfungen aus Rassismus und Chauvinismus hervorgebracht hat: wahrhaft globalized music aus 'Schland. Wer die große Zeitungen und Zeitschriften liest, kam in den letzten Monaten kaum am Debutalbum SCHLAND IS THE PLACE FOR ME vorbei.




Sie sind wohl der Inbegriff der deutschen Indie-Band: The Notwist. 1989 im bayerischen Weilheim von Markus Acher (Gitarre, Gesang), Michael Acher (Bass) und Martin "Mecki" Messerschmid (Schlagzeug) gegründet, haben sie zwar mehrere Stilwechsel durchlebt, doch ewww.youtube.com/watch?v=H3j5fn... ist ihrer Musik immer geblieben - die Melancholie. Im Laufe der Jahre entsteht eine regelrechte Szene um sie und Ende 1998 fragt dann The Wire: "Is Weilheim the new Seattle?
Acht Jahre zuvor erscheint bei Subway/Rough Trade ihr selbstbetiteltes Debütalbum. Über weite Strecken eine ziemlich heftige Punk/Hardcore/Metal-Mischung, taucht am Ende der Platte doch eine frühe Notwist-Hymne auf: "Nothing Like You". Im selben Jahr geht es auf Tour, u.a. mit Jesus Lizard und Bad Religion. Erste Seitenprojekte entstehen und erscheinen auf dem Weilheim-Label Hausmusik, dessen Geschichte eng mit der der Band verwoben ist.
Für die zweite Platte "NOOK" erhielt die Band im Musikmagazin "Visions" eine nie zuvor vergebene Bewertung: 6 von 5 Punkten. Nun, 30 Jahre nach dem Debüt, hat die Band nichts von ihrer Frische und Originalität verloren. Und auch die Seitenprojekte sind spannend wie eh und je.
Aber The Notwist bleibt das konstante Mutterschiff. Das letzte Album „Superheroes, Ghostvillains & Stuff“ ist das Dokument eines Abends: Aufgenommen am 16. Dezember 2015, dem zweiten von drei ausverkauften Abenden im ehemaligen Lichtspielhaus UT Connewitz zu Leipzig, ist „Superheroes, Ghostvillains & Stuff“ ein hautnahes Konzerterlebnis in Triple Vinyl – und gleichzeitig das definitive The Notwist Album. Bis auf eine Reminiszenz an die lauten Jahre – „One Dark Love Poem“ vom Album „Nook“ – speist sich das Programm aus den drei Alben Neon Golden, „The Devil, You + Me“ und „Close To The Glass“, und scheut sich nicht, die Hits zu liefern. Die sich allerdings organisch erweitert und neu interpretiert zu einer, im wahrsten Sinne, lebendigen Erzählung aufschwingen und, auch dank der konzertierten Abmischung von Olaf Opal, die bisherige Studioarbeit mitunter sogar überflügeln. Beim Hören von „Superheroes, Ghostvillains & Stuff“ glaubt man, die Evolution der Songs wie in einem barocken Triptychon beobachten zu können. Zunächst als Wimmelbild, erleben wir diese Musik in seiner Gesamtheit als eine Möbiusschleife, die kein Oben und kein Unten kennt, kein innen und kein Außen, weil ihr Außen das Innen und ihr Innen das Außen zugleich ist. Es ist eine Musik der Verschränkung und Versöhnung. Der auf Breitwand expandierte Pop und der experimentell krautige Jazz, der Geist der Aufklärung und die Verspieltheit des Barock, Minimal Music und die Avantgarde der Moderne, Dubverfahren und Hip Hop Techniken bis hin zu House Music – sie alle versöhnen sich hier in einer elegisch romantischen Verschränkung. Am Ende sind die Geister der Songs entfesselt, und die Band hat sich freigespielt. Der Albumtitel ist übrigens aus einem Songtext herausgeschnitten, aus Kong, dem Credo von Markus Acher. Wasser tritt in diesem Song zunächst als Motiv der Bedrohung auf – als eine Kraft, die von außen auf ein Haus wirkt, bis es fortgeschwemmt wird – werden die Momente des Schreckens, eben aufgrund des fluiden Charakters des treibenden Wassers, in ihrer Melodieführung als hoffnungsvoller Aufbruch geschildert, von einer Musik getragen, die schließlich in euphorische Abenteuerlust mündet.
Und da ist es dann, dieses Kolumbusfeeling, dieser Entdeckergeist! Die Schiffsbesatzung schmeißt sich in die Takelage, mit vollen Segeln, den Kompass auf Expeditionskurs, den Osten im Westen vermutend, und vice versa. Das Abenteuer Musik geht weiter!
Pico Be (Das Weiße Pferd)



Fehler Kuti
Das neueste Projekt aus dem Weilheimer Umfeld von The Notwist erscheint unter einem Namen, bei dem Kenner sich am Kopf kratzen werden: Fehler Kuti. Ist es nicht albern, den legendären nigerianischen Afro-Beat-Musiker Fela Kuti zu verballhornen? Doch die kreative Kraft des Irrtums ist bei Julian Warners Projekt tatsächlich Programm: Hier flirren die Synthies, hier sirren und pluckern die Beats. Da hat sich jemand mit großer Experimentierlust des Synthesizer-Fuhrparks von Markus und Micha Acher bedient. „Schland is the place for me“ heißt das Debütalbum des „singenden Kulturanthropologen“ (O-Ton Julian Warner) Fehler Kuti. Süchtig machende Rhythmen, krautige Keyboards. Und wenn Warner die „Interracial Love“ besingt, hat das eine monotone Qualität, die durchaus an den Avant-Space-Jazz des großen Sun Ra erinnert.
Der Münchner Julian Warner alias Fehler Kuti beschäftigt sich auf musikalischer Ebene mit Ausgrenzung von Minderheiten und versucht, Geschichten zu erzählen. Er selbst bezeichnet sich dabei als singenden Kulturanthropologe.
„Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit der Verwendung dystopischer Themen und Klänge, um ein akustisches Bild von strukturellem Rassismus und Weißheit unserer Gegenwart zu zeichnen. (...)Ich möchte, dass diejenigen, die unter Entfremdung leiden, im Bündnis mit denen stehen, die Entfremdung suchen, und umgekehrt. Eine Koalition, die die Möglichkeit toleriert, dass wir aus gegenteiligen Gründen von der gleichen Not bewegt werden.“
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Kama Aina & Die Hochzeitskapelle
Kama Aina ist ein Wanderer. Ein mit der Wanderlust infizierter Komponist, man könnte auch sagen: Ein globaler Insulaner. Denn Kama Aina heißt eigentlich Takuji Aoyagi und wurde im japanischen Tokyo geboren. Von Okinawa, seiner aktuellen Insel, zieht es ihn immer wieder in die Welt, auf andere Inseln, um dort neue Klänge aufzuspüren. An Orten wie Hawaii oder Bali hat er sie entdeckt und auf Alben wie „Club Kama Aina“ verarbeitet. Kama Aina, das ist Hawaiianisch und bedeutet „Eingeborener“ oder „Inselmensch“.
Als Mensch und Musiker ist Kama Aina aber keine Insel. Weshalb er nicht nur Klänge, sondern den Kontakt mit Gleichgesinnten sucht. Die hat er nach Hawaii nun auch in Bayern gefunden. Das heißt, genau genommen hat die Münchner Hochzeitskapelle ihn entdeckt. Denn auch Markus und Micha Acher, Mathias Götz, Alex Haas und Evi Keglmaier sind erprobte Klangforscher, die man von The Notwist, Le Millipede, Unsere Lieblinge oder Mrs. Zwirbl kennt. Als Hochzeitskapelle spielen sie Coversongs, die sie meist in rumpeljazziger Manier in Bars, im Park oder auf der Straße vortragen.
Kama Ainas „Wedding Song“ gehört dabei zum festen Repertoire. Für Markus Acher ein „wahnsinnig schönes Stück“, von dem eine besondere Magie ausgeht. Von dieser Magie wollten sie mehr haben, und haben Kama Aina gebeten, neue Zauberstücke für sie zu schreiben. Das Ergebnis liegt als „Wayfairing Suite“ jetzt vor. Ein Album mit zehn verspielten, minimalistischen Instrumentalstücken. Zehn kleinen Inseln, die doch voller Reichtum sind. Und denen sich die hier gar nicht rumpeligen Hochzeitsmusiker unter dem Bann(er) von Kama Aina mit Demut und geschärften Sinnen nähern. Zeit, auf Entdeckungsfahrt zu gehen!
Die beginnt mit einem sanften Glockenspiel, dann setzt eine gezupfte Viola ein, ein Akkordeon bläst wie vom Winde verweht einen sich wiederholenden Akkord. Und wenn dann die Posaune ihre getragenen Moll-Töne spielt, ist man schon mitten auf der Reise. Die Segel sind gesetzt, und mit Kama Aina und der Hochzeitskapelle an den Instrumenten kann von jetzt an alles passieren.
Was ist das? Eine Gitarre, die von der Insel dort herüber tönt? Jetzt eine Trompete, eine marschierende Snare. Das könnte ein Begrüßungskomitee sein. Wobei, jetzt klingt es wie ein Trauermarsch, dem wir respektvoll lauschen. Dann ein gezupftes Banjo. New Orleans? Nein, mit beschwingten Gitarrenklängen wirkt es jetzt eher Hawaiianisch. Und schon sind wieder auf der Reise.
Mit majestätischen Posaunenklängen geht es übers Meer. Der Kontrabass, er brummt sanft aus der Tiefe. Die Viola, sie fliegt hoch hinauf und checkt für uns die Lage. Ein Spielzeugklavier wogt in den Wellen auf und ab, und so geht es von Insel zu Insel, wo ein Xylofon, eine singende Säge auf uns warten. Bis wir, reichlich mit Klängen angefüllt zurückkehren.
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Preis: 34,50 Euro€ - 36,00 Euro€

URL: www.franzk.net/events/view/id/...