Termine Reutlingen
Oh Neurosen aus Athen UA / 20:00 Uhr / 27.11.2021
Oh Neurosen aus Athen UA
20:00 Uhr / 27.11.2021 / Aufführung, Schauspiel

  

Beschreibung
Liebenswerte Familienbande

Trotz vieler Streitigkeiten gewinnt man die Familienbande einfach lieb. Im ganzen Familientrubel muss sich die kleine Chrysi zurechtfinden. Zwischen der kettenrauchenden deutschen Mutter, die immer miesmutig und gelangweilt ist, und dem lauten Machopapa wirkt sie irgendwie verloren. Ihr Selbstporträt ist aussagekräftig: Sie ist eine Prinzessin beider Länder, jedoch ganzkörperbehaart. Denn sie ähnelt ihrem Vater »wie aus dem Rücken geschnitten«.



Mit ihrer sympathischen, selbstironischen Art hat Taoussanis schnell das Publikum auf ihrer Seite. Die humorvoll überspitzten Alltagsepisoden würzt sie mit zahlreichen Seitenhieben auf beide Kulturen. Dass Chrysis Vater eine Deutsche geheiratet und nur noch ein »halbgriechisches« Kind gezeugt hat, empfindet etwa die griechische Seite als Problem. Waren sie doch davor immer »saubere« Griechen. Tante Doris ist umgekehrt von Griechenland nicht so angetan, da sei es ihr zu warm und es wären überall Griechen. An Fremdwörtern scheitert sie häufig, nicht einmal Chrysis Namen kann sie richtig aussprechen.



Auch politischere Witze über Menschen, die ihr Leben lang Halbwaisenrente beziehen oder über die Schuldenkrise dürfen nicht fehlen. Hierzu liefert die Schauspielerin eigene Erklärungen: »In Griechenland ist Blut dicker als Wasser. Manchmal sehr fett, eben Vetternwirtschaft.«



Gespür für Timing
Taoussanis überzeugt in allen Rollen und beweist ein Gespür für Timing und gezielt abgefeuerte Pointen. Das Familienchaos kann man sich gut vorstellen. Dem zuzuschauen, wie sie zwischen den unterschiedlichen Rollen hin- und herspringt, macht richtig Spaß. Manche Witze werden allerdings etwas überstrapaziert. So kommt das Thema Körperbehaarung ein paar Mal zu oft.



Die kleine Chrysi bleibt im Vergleich zu den dominanten Familienmitgliedern blasser, so erfährt man kaum etwas über ihre Interessen. Auch die deutsche Mutter ist unauffällig, außer dass sie Kette raucht. Die Darstellung der Tante Elektra, die von Chrysis Mutter so unerwünscht ist, dass sie zu Fuß über die Balkanroute einwandern muss, ist da spannender. Ihr Leiden in der Fremde, die »kalt und herzlos wie ein Stein ist«, beschreibt Taoussanis mit einem Lied »Du könntest griechischer sein«, angelehnt an den Schlager »Griechischer Wein«. Hierzu verkleidet sie sich als ihre Tante – mit angeklebtem Schnurrbart und einer angeklebten Augenbraue. Natürlich singt sie mit griechischem Akzent und voller Dramatik. Für diese Darbietung gibt es einen extra Applaus.

Veranstalter: Theater Reutlingen Die Tonne